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Braunkohle-Nein e.V.

MIBRAG mbH hat neue Anteilseigner

Mibrag-Geschäftsführer Geisler: "Wir sind froh, ČEZ und J&T als neue Anteilseigner zu haben"

Die   mbH aus Theißen, die sich derzeit mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern vor dem Verwaltungsgericht Schwerin gegen die Versagung der Verlängerung der Aufsuchungserlaubnis (Probebohrungen) streitet, wurde am 25. Februar 2009 von den bisherigen beiden US-amerikanischen Anteilseignern URS Corporation und NRG Energy Inc. an ein osteuropäisches Konsortium, bestehend aus Severočeské doly a.s Chomutov, dem Braunkohleunternehmen des tschechischen halbstaatlichen Energiekonzerns ČEZ auf der einen Seite, und der slowakischen Private-Equity-Gesellschaft J&T Finance Group auf der anderen Seite veräußert. Als Kaufpreis wurde eine Summe von 404 Mio. EUR genannt.

Der neue Geschäftsführer der MIBRAG mbH, Dr. Joachim Geisler, begrüßte in einem Interview mit dem Tschechischen Rundfunksender „Radio Prag“ den Einstieg der neuen Anteilseigner.

Die MIBRAG mbH arbeitet unterdessen weiter mit Nachdruck an einem Aufschluss des neuen Braunkohletagebaus in Lützen (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) und an einem Bau eines neuen 660 Megawatt Braunkohlekraftwerks in Profen (Elsteraue / Burgenlandkreis). Allein das Kraftwerksprojekt soll ca. 1,2 Mrd. EUR kosten.

Inzwischen hat die MIBRAG im Rahmen eines „Greenwashings“ ihr Unternehmenslogo neuerdings ganz in grün gestaltet.

Greenwashing, zu deutsch "Grün waschen" oder "Grün färben", bezeichnet eine Strategie, mit der sich Akteure durch die gezielte Verbreitung von Desinformation ein Image ökologischer Verantwortung zu verschaffen suchen.

Der Schein des grünen, ökologischen Mäntelchens, mit dem sich die MIBRAG hier zu umhüllen versucht, kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Braunkohleverstromung nach wie vor eine der umweltschädlichsten Formen der Energiegewinnung ist.

Die Leipziger Greenpeace-Gruppe hat zur weiteren Optimierung des MIBRAG-Logos einen bemerkenswerten Ergänzungsvorschlag:

 


Viel ist bisher über die neuen Anteilseigner der MIBRAG mbH in Deutschland nicht bekannt.

Die Tschechischen Elektrizitätswerke ČEZ wurden 1992 gegründet, haben ihren Unternehmenssitz in Prag und sind inzwischen das größte Braunkohle-Unternehmen in Tschechien. Das Unternehmen besitzt Kohlebergwerke und nordböhmischen Kraftwerke. Der tschechische Staat hat bei der ČEZ-Gruppe die Fäden in der Hand. Im Jahr 2007 lag nach Unternehmensangaben der Umsatz bei sechs Milliarden Euro. Damit gehört ČEZ zu den zehn größten Energiekonzernen in Europa. ČEZ strebt an, in Mittel- und Südosteuropa die Nummer eins auf dem Strommarkt zu werden. Zur ČEZ-Gruppe gehören unter anderem Beteiligungen in Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn, Kosovo, Russland und Niederlande. Der Konzern betreibt seit dem Jahr 2000 das Kernkraftwerk Temelin sowie mehrere Kohle- und Wasserkraftwerke.

Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie der halbstaatliche Stromgigant ČEZ mit vermeintlichen und tatsächlichen Schuldnern im eigenen Lande umgeht. Nach mehreren übereinstimmenden Presseberichten hält sich der Konzern dazu in Tschechien eine fast paramilitärisch organisierte Eingreiftruppe, die Abteilung für „nichttechnisch bedingte Verluste“ (NTZ) . In schwarze Uniformen gekleidete und mit Schusswaffen ausgerüstete „Stromsheriffs“ der NTZ treiben in Rollkommandos in bester Rambo-Manier zum Teil zur Nachtzeit und mit wenig zimperlichen Mitteln Zahlungsrückstände von vermeintlich säumigen Kunden und Stromdieben ein. Die NTZ-Abteilung sieht sich zahlreichen Vorwürfen von Hausfriedensbruch und Erpressung ausgesetzt, von der NTZ Verfolgte fühlen sich tyrannisiert. Zur Rechtfertigung für die radikale Vorgehensweise führt der Konzern angebliche Millionenverluste durch Stromdiebstahl an. Einige Presseartikel dazu sind unten verlinkt.

Die J&T Finance Group ist einer der größten Investoren in Tschechien und der Slowakei und hält zahlreiche Beteiligungen, darunter auch im Energiesektor. J & T gehören zwei Kohle-Energie-Firmen in Komorany und im westböhmischen Pilsen.

Nicht bekannt ist uns derzeit, ob und mit welcher Zielsetzung die neuen Anteilseigner der MIBRAG mbH das Braunkohletagebauvorhaben Lübtheen weiter verfolgen werden. Es lohnt sich daher, auch bei uns die Augen und Ohren weiterhin offen zu halten, die neuen Anteilseigner der MIBRAG mbH kritisch zu beäugen und unsere Vereinsarbeit als "Wächer der Griesen Gegend" fortzusetzen. Von einer Aufgabe des Braunkohletagebauprojekts Lübtheen durch die MIBRAG mbH kann gegenwärtig jedenfalls keine Rede sein.


Weiterführende Links:

    ČEZ - Homepage

Severočeské doly a.s Chomutov - Homepage

  J&T Finance Group - Homepage

►   MIBRAG mbH - Homepage

 

ČEZ bei Wikipedia 

Naumburger Tageblatt vom 22.02.2010

Tagesthemen.de, Hörfunkstudio Prag, vom 08.02.2010

TELEPOLIS / Heise.de vom 25.03.2010

TAZ-Artikel vom 15.02.2010

DiePresse.com vom 19.02.2010

Financial Times Deutschland vom 09.02.2010