Start
Aktuelles
Chronologie
Informationen zur Braunkohle
Zur Situation
in Lübtheen
Download
Links
Über uns
Kontakt und Impressum
Disclaimer

Braunkohle-Nein e.V.

 

Schreiben des Ortsvorstehers der Gemeinde Heuersdorf,
Horst Bruchmann, vom 7.08.2006

(entnommen dem Gästebuch der Homepage der Stadt Lübtheen (www.luebtheen.de)

Sehr geehrte Damen und Herren

ich finde das Gästebuch der Stadt Lübtheen sehr interessant. Ich möchte mich nicht zum politischen Umfeld bei Ihnen äußern, das wäre vermessen. Aber ich möchte mich als Betroffener zum Problemkreis „Bergbau“ einbringen. Damit Sie wissen wer ich eigentlich bin stelle ich ein paar Informationen vorweg. Mein Name ist Horst Bruchmann ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Heuersdorf in Sachsen, die vom Bergbau vernichtet wird. So wie ich Ihre Beiträge verstehe, besteht das Ansinnen in Ihrer Region zukünftig Braunkohle zu fördern. Dies ist natürlich ein Tatbestand der grundlegende Veränderungen in Ihrer Region mit sich bringt. Hier entsteht Betroffenheit der gesamten in diesem Bereich wohnenden Bevölkerung und darüber hinaus auch für die politisch Verantwortlichen. Braunkohle wird üblicherweise im Tagebau gefördert. Tagebau heißt ein in die Erde gegrabenes Loch, welches mehrere tausend Hektar Fläche haben und bis zu einigen hundert Metern tief sein kann. Welches Ausmaß ein bei Ihnen aufgeschlossener Tagebau haben wird kann ich nicht einschätzen. Das hängt von der Lagerstätte ab. Unvermeidbar ist jedoch, dass der Tagebau Landschaft vernichtet und das Grundwasser unter die Sohle des Tagebaues abgesenkt werden muss, was einen viele Quadratkilometer großen Grundwasserabsenkungstrichter nach sich zieht. Welche Folgen daraus für Ihre Region entstehen sollten Sie sorgfältig hinterfragen. Dies ist schon für die Abwägung der positiven und negativen Wirkungen eines Bergbaubetriebes erforderlich.

 

Oft sind im Zuge des Bergbaues auch Ortsverlagerungen erforderlich. Dies sind besonders kritische Themen bei der Abschätzung der Bergbaufolgen. Hier sind menschliche Gemeinschaften betroffen, die in der Regel bei Umsiedlungen zerstört werden. Hinzu kommt, dass diese Gemeinschaften die besonderen Lasten des Bergbaues deutlicher persönlich zu spüren bekommen, weil auch ihr Eigentum betroffen ist, welches der Bergbau für seinen Betrieb erwerben und zerstören muss. Dieser Prozess spielt sich gerade in Heuersdorf ab. Es ist ein Prozess, der mit außerordentlichen seelischen Belastungen für die Betroffenen einhergeht. Dafür gibt es keine Entschädigung oder Schmerzensgeld. Ältere Menschen können oft den Heimatverlust nicht verkraften. Die schlimmste Folge ist der Tod.

Soweit einige Bemerkungen zu den Auswirkungen des Bergbaues. Es können natürlich in diesem Rahmen bei weitem nicht alle Probleme, die im Gefolge des Bergbaues auftreten, beschrieben werden. Dies erfordert auch eingehende Untersuchungen der örtlichen Verhältnisse. Aber ich hoffe, ich konnte Ihnen deutlich machen unter welcher Verantwortung Ihre Politiker und Ihre Bevölkerung steht, einer Bergbauförderung in der Region zuzustimmen oder diese abzulehnen.

Im Falle einer Ablehnung stehen Sie einer mächtigen Bergbaulobby gegenüber, die mit dem Bundesberggesetz ein übermächtiges Instrument gegen das Eigentum des Einzelnen in der Hand hat. Dieses Gesetz ist ein Überbleibsel aus der Zeit, wo gesichert werden sollte, dass die Kriegsmaschinerie des dritten Reiches unabhängig von Energieimporten funktioniert. Es lohnt also nicht Hick – Hack gegen Vereine, Personen oder Gruppen zu veranstalten, sondern hier ist Einigkeit der politisch Verantwortlichen mit der gesamten betroffenen Bevölkerung gefragt. Für die Region steht viel auf dem Spiel. Ich wohne in einer Region in der fast 100 Jahre der Bergbau umging und heute noch umgeht. Sie ist zerstört, muss eine hohe Arbeitslosigkeit hinnehmen, hat permanenten Investorenmangel, kostet enorme Summen um Bergbaufolgen zu lindern und muss mit den nicht abwendbaren Langzeitbergbaufolgen leben.

Hier schließt sich eigentlich eine Diskussion über Sinn und Erfordernis der Braunkohleförderung und Verbrennung an. Dieses Thema kann nicht in diesem Rahmen diskutiert werden. Wir haben hierüber intensive Recherchen durchgeführt, schon deswegen weil die Braunkohlenverbrennung auch ein intensiver Faktor im Bereich der Klimabeeinflussung ist. Dieses Thema wird der Menschheit in Zukunft mehr Kopfzerbrechen bereiten als ihr lieb ist.

Ich möchte Ihnen allen und im Besonderen den Verantwortlichen Politikern wünschen, dass Sie sich nicht zerstreiten und gemeinsam die für die weitere Entwicklung Ihrer Region beste Lösung finden und anwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Horst Bruchmann

I