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Braunkohle-Nein e.V.

"Kaffeefahrt"

Bericht über die Informationsfahrt
von Kreistagsmitgliedern vom 14.10.2004 zur MIBRAG

entnommen der Homepage des Landkreises Ludwigslust (www.kreis-lwl.de)

 

Ein Besuch im Leipziger Braunkohlerevier

Delegation aus dem Landkreis informierte sich bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) über den Abbau des Rohstoffes Braunkohle

Mitteldeutschland ist als Industriestandort seit vielen Jahren bekannt. Wichtige landschaftsprägende Veränderungen wurden durch den Aufschluss von Braunkohlentagebauen durchgeführt. Eine kreisliche Delegation wollte diese Veränderungen in Hinblick auf eine eventuelle Nutzung der Diathomeenkohlelagerstätte im Raum Lübtheen in Augenschein nehmen. Gegenwärtig werden dort vor Ort erste Erkundungsbohrungen durchgeführt.

Auf Einladung der MIBRAG trafen sich am 14. Oktober im Tagebau Vereinigtes Schleenhain Vertreter aus der Verwaltung und Politik des Landkreises, um an eine Führung durch das Braunkohlenkraftwerk Lippendorf und den Tagebau teilzunehmen. Anwesend waren unter Leitung des Landrates Rolf Christiansen Mitglieder der Verwaltung des Landkreises, Helmut Nitschke, Dezernent im Amt für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg, Vertreter aus den Fraktionen des Kreistages und der Stadtvertretung bzw.- verwaltung Lübtheen.

Das Braunkohlenkraftwerk Lippendorf

Schon von Leipzig aus ist es, durch seine beiden 174,5 Meter hohen Kühltürme und deren riesigen Dampfwolken sichtbar - das Braunkohlenkraftwerk Lippendorf, das modernste Braunkohlenkraftwerk der Welt. Das Kraftwerk wurde auf dem Gelände des alten Industriegebietes Böhlen als Neubau 1995 von einem Konsortium aus den Elektrizitätsversorgungsunternehmen Bayernwerk AG, EnBW Energie Baden-Württemberg AG und VEAG Vereinigte Energiewerke AG (heute Vattenfall Europe Generation AG & Co. KG) für ca. 4,8 Milliarden DM errichtet. In den Jahren 1999 und 2000 gingen jeweils einer der beiden Blöcke mit 933 MW in Betrieb.

Betriebsleiter Joachim Kahlert empfing die Delegation im Informationszentrum des Braunkohlenkraftwerkes und hielt einen interessanten Vortrag über die Geschichte des Konsortiums und des Kraftwerkes, den er eindrucksvoll mit zahlreichen Daten und Fakten unterlegte.

Im Anschluss daran erfolgte ein Rundgang durch das Kraftwerk. Herr Dornberg erläuterte den Gästen, wie mit modernster Technik aus Braunkohle Strom erzeugt wird, welche über eine 14 Km lange Bandanlage aus dem Tagebau Schleenhain kommt. Bei Volllastbetrieb werden täglich 35.000 Tonnen Rohbraunkohle benötigt. Für die Dampferzeugung und Kühlung wird aus dem Speicherbecken Witznitz das Wasser gepumpt.

Der Wasserbedarf wird durch Mehrfachnutzung so gering wie möglich gehalten. Ein Teil des nicht mehr benötigten Dampfes wird zur Heizwasseraufwärmung genutzt, welches über eine 15 Km lange Trasse in das Versorgungsnetz der Stadt Leipzig eingespeist wird. 50% des Fernwärmebedarfes der Stadt Leipzig wird auf diese Weise abgedeckt. Auch Böhlen und Neukieritzsch werden so versorgt.

Die bei der Verbrennung der Braunkohle anfallende Grob- und Flugasche werden im Tagebau Peres zur Stabilisierung der Böschung genutzt und kleinere Mengen davon werden in der Bauindustrie als Zuschlagstoffe verwendet.

In der Rauchgasentschwefelungsanlage wird in einem chemischen Prozess das Schwefeldioxid in Gips umgewandelt, welcher ebenfalls der Industrie zugeführt wird.

Durch den Einsatz modernster Technik im Kraftwerk Lippendorf ist eine spürbare Entlastung der Umwelt eingetreten. Obwohl täglich große Mengen Braunkohle verbrannt werden, ist nie eine Rauchwolke über dem Kraftwerk sichtbar. Ein Schornstein ist auch nicht sichtbar. Schwefelanteile werden zu 95 % und Staub sogar zu 99,89 % aus dem Rauchgas entfernt. Die Entstehung von Stickoxid wird wesentlich vermindert. Danach wird das gereinigte Rauchgas über die Kühltürme abgeleitet.

Vom Kraftwerk aus ging es weiter zum nahe gelegenen Braunkohletagebau Schleenhain.

Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain

Die Rundfahrt, welche fachlich begleitet wurde von Bernd Heggemann, Direktor Recht der MIBRAG, und Horst Schmidt, Direktor Bergbau der MIBRAG, begann am neu geschaffenen Aussichtspunkt im Tagebau. Dort wurden wichtige Fakten rund um den Tagebau vermittelt. In dem neuen Tagebau Vereinigtes Schleenhain sind die Abbaufelder Schleenhain, Peres und Groitzscher Dreieck zusammengefasst. Peres wird im Jahr 2015 und das Groitzscher Dreieck 2030 geöffnet werden. Heute können im Tagebau ca. 10 Millionen Tonnen Rohbraunkohle pro Jahr gefördert werden. Wie bereits erwähnt ist das Kraftwerk Lippendorf der Abnehmer der Rohbraunkohle.

Hinsichtlich der Qualität liegt die mitteldeutsche Braunkohle in vielen Punkten vor der Braunkohle, die in der Lausitz bzw. im Rheinischen Braunkohlenrevier gefördert wird. Unschlagbar gut ist zum Beispiel das Verhältnis von Kohle zu Abraum. Mit dem entstehenden Abraum werden die Innenkippen neu gestaltet. Als nächstes wurde ein Schaufelradbagger aus unmittelbarer Nähe besichtigt. Da wurde einem wieder bewusst, wie klein doch der Mensch im Gegensatz zu dem technischen Gerät ist, welches er zu beherrschen vermag.

Die Fahrt ging weiter entlang der Bandanlagen, die sich insgesamt über knapp 40 km erstrecken, zum Kohlemisch- und Stapelplatz (KMS). Die Rohbraunkohle wird hier zerkleinert, gemischt und zwischengelagert, bevor sie weiter zum Kraftwerk geleitet wird. Interessant ist, dass am KMS kein Mensch mehr arbeitet. Nur noch zu Kontrollzwecken wird er regelmäßig aufgesucht. Das Ende der Rundfahrt bildete ein Besuch im Leitstand, von hier aus wird der gesamte Tagebau mit Video und Computern überwacht.

Anschließend ließen es sich die Gastgeber nicht nehmen mit den Besuchern persönlich alle Fragen zu beantworten. In lockerer Runde wurde über einen möglichen Abbau des Rohstoffaufkommens Diathomeenkohle in Lübtheen und deren Auswirkungen für die Region geredet und die Rolle der Braunkohle in unserer zukünftigen Energieversorgung dargelegt. Zum Stand der Erkundungsarbeiten in der Diathomeenkohlelagerstätte Lübtheen standen als kompetente Gesprächspartner Dr. Andreas Berkner, zuständiger Regionalplaner, und Gutachter Dr. Peter Jolas von der MIBRAG zur Verfügung.

Fazit

Es bleibt zu hoffen, dass solche Veranstaltungen auch in Zukunft stattfinden, vor allem um die Gemeinden rechtzeitig über die Erkundungsarbeiten zu informieren. Auch die MIBRAG mbH legt großen Wert auf die Kommunikation, erhöht das doch die Transparenz und Akzeptanz der erforderlichen Maßnahmen. Und es war ja nicht zu übersehen, dass ein eventueller Tagebaubetrieb die Region Lübtheen prägen wird. Ein positives Miteinander ist deshalb unabdingbar.

Abschließend bleibt festzustellen, dass der heimische Rohstoff Braunkohle langfristig ein wettbewerbsfähiger und kostengünstiger Energieträger in der Grundlaststromversorgung bleibt und durch eine vorbildliche Rekultivierung neue Erholungs- und Erlebnisbereiche schafft.

Es war eine interessante Exkursion, wozu sicher auch die freundliche Aufnahme und die fachkundige Führung der MIBRAG beigetragen haben.