Braunkohle-Nein e.V.

Kurzmeldung zur Braunkohle-Nein Infoveranstaltung am 12.09.05 n der Hans Oldag Sporthalle Lübtheen

 
Das hat die Lübtheener Mehrzweckhalle lange nicht erlebt: Über 500 am Braunkohlethema interessierte Bürgerinnen und Bürger versammelten sich in der sehr praktischen und modernen Sporthalle Lübtheens, um sich über die Problematik eines geplanten Braunkohletagebaus in der Griesen Gegend zu informieren. Das nicht Norbert Bosse vom NDR wie angekündigt durch den Infoabend führte, sondern der ebenso bekannte Moderator Stephan Güldenpenning aus Ludwigslust schadete der Veranstaltung nicht. Stephan Güldenpenning moderierte professionell, stellte die richtigen Fragen zur richtigen Zeit und hatte den Abend im Griff. Michael Hübner und Band begleitete die Veranstaltung musikalisch, ein ganz besonderes Debüt für den jungen Musiker mit dem Anti-Braunkohle-Song.
 
Der Vorsitzende des Vereins Braunkohle-nein, Kai Hagen, eröffnete die Infoveranstaltung mit einem kurzen Rückblick zur Vereinsgründung. Noch vor fünf Monaten wurde das Vorhaben der Mibrag in der Griesen Gegend rund 5 Milliarden Tonnen Braunkohle über die nächsten rund 100 Jahre abzubauen als "Wirtschafts- und Arbeitsplatzwunder" dargestellt. Heute steht jedoch aufgrund der Recherchen und dem Hinterfragen der Vereinsmitglieder fest, das weit mehr Arbeitsplätze vernichtet, als geschaffen werden. Zudem wird die gesamte Infrastruktur nachhaltig und die Natur nebst dem sanften Tourismus nahezu vollständig zerstört.  Diplom-Geologe Dr. Werner Michler, der sich seit Jahren u.a. im Auftrag des Fresenius Instituts und für die RiHa Getränkegruppe (Dodo, Fruchtquell, Apfelblüte etc.) mit der geologischen Beschaffenheit der Region und insbesondere mit den hydrogeologischen Umständen beschäftigt hat, warnte aufgrund der geologischen Besonderheiten der Region im Zusammhang mit der Grundwasserabsenkung des geplanten Braunkohletagebaus vor den dramatischen, heute noch gar nicht absehbaren Auswirkungen in einem gigantischen Radius.
 
René Schuster von der erfahrenen Bürgerinitiative "Lacoma" (www.lacoma.de) warnte u.a. indes davor, sich aufgrund der FFH-Meldung des betroffenen Gebietes in Sicherheit zu wiegen. FFH schützt nicht automatisch vor einer kompletten Natur- und Umweltzerstörung, wenn wirtschaftliche Interessen von Unternehmen wie Vattenfall oder Mibrag zum Tragen kommen. Doch die größte Aufmerksamkeit erhielten die Gastredner aus dem Braunkohlegebiet Heuersdorf.
 
Als Horst Bruchmann, der ehemalige Ortsvorsteher des historischen Ortes, das heute am Abgrund des Braunkohletagebaus steht,  die Hintergründe und Vorgehensweise der Mibrag schilderte, wurde es still in der Sporthalle. Horst Bruchmann erzählte vom Schicksal des Ortes und letztendlich von der gesamten Region. Der historische Ort wird nach jahrelang währenden Rechtsstreitigkeiten wohl  weggebaggert, die Dorfidylle ist zerstört, Familien verzweifelten und entzweiten sich, die Entschädigungsleistungen reichen in der Regel nicht annähernd für ein gleichhwertiges Zuhause, das ohnehin zukünftig in einer klassisch charmlosen Siedlung umgeben von Sandwüste und Industrieanlagen steht. Arbeitsplätze? Wirtschaftswunder im Braunkohlerevier? Eine Farce. Die Arbeitslosenzahl ist in den letzten 10 Jahren in schwindelerregender Höhe geschnellt, wirtschaftlich interessante Industrie hat sich nicht angesiedelt, selbst die Supermärkte und Tankstellen mussten mangels Kunden und mangels Umsatz schließen. Die Abwanderungsquote der Heimatlosgewordenen ist dramatisch hoch. Da nützt es anscheinend auch nichts auf die weltweit wirkenden Umweltgefahren des Braunkohletagebaus hinzuweisen, die zwischenzeitlich ja wissentschaftlich und somit amtlich bewiesen und nicht mehr bestritten werden.
 
In der betroffenen Griesen Gegend würde nicht nur der Tourismus gestoppt und Arbeitsplätze vernichtet werden, sondern das gesamte Bundesland MV und seine touristischen Regionen, sowie die sich angesiedelte Ernährungsindustrie würde einen nie wieder reparablen Imageschaden erleiden - lediglich die Betreiberunternehmen werden wirtschaftlichen Gewinn einfahren. Das ist das einhellige Fazit. Sehr viele Informationen nahmen die Besucher/innen mit nach Hause. Vorteile eines Braunkohletagebaus gibt es nicht.
 
Eine Veranstaltung, die alle der weit über 100 Mitglieder und mehr als 5000 sich durch Unterschriften verzeichneten Sympathisanten darin bestärken: Es müssen JETZT endgültige Entscheidungen und Pläne getroffen werden. Nicht erst dann, wenn der Antrag auf Abbau der Kohle vorliegt. Und das ist das erklärte Ziel der Bürgerbewegung "Verein Braunkohle-nein".
 

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